Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Detaillierte Fachbeschreibung

1. Sprache als Schlüssel zur Welt

Sprache ist Grundlage von Lernen, Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe. Sie ermöglicht, Gedanken auszudrücken, Beziehungen zu gestalten und die Welt zu verstehen. Im Unterrichtsbereich Sprache / Deutsch fördern wir an der Friedrich-Fröbel-Schule die individuellen sprachlichen, kommunikativen und schriftsprachlichen Kompetenzen aller Schüler*innen. Der Unterricht orientiert sich an den Richtlinien und Unterrichtsvorgaben für den Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (MSB NRW) und umfasst die vier Bereiche:

  1. Sprechen und Zuhören
  2. Lesen – mit Texten und Medien umgehen
  3. Schreiben
  4. Sprache und Sprachgebrauch untersuchen

Diese Bereiche werden altersangemessen, individuell und handlungsorientiert miteinander verknüpft. Sprache ist dabei nicht nur Unterrichtsgegenstand, sondern auch Lernmedium in allen Fächern und Lebensbereichen.

2. Leitgedanken und Ziele

Ziel des Unterrichts ist es, allen Schüler*innen Wege zur sprachlichen Verständigung und zur Nutzung von Sprache als Werkzeug für Denken, Lernen und Handeln zu eröffnen. Dabei stehen folgende Leitgedanken im Mittelpunkt:

  • Individualisierung: Jede Schülerin und jeder Schüler wird entsprechend der eigenen sprachlichen und kognitiven Voraussetzungen gefördert.
  • Ganzheitlichkeit: Sprache wird in Bewegung, Wahrnehmung, Spiel, Musik und künstlerischem Gestalten erlebt.
  • Lebensweltbezug: Inhalte orientieren sich an Alltag, Interessen und Lebensrealität der Schüler*innen.
  • Selbstbestimmung und Teilhabe: Sprachliche Kompetenzen werden als Grundlage für Selbstständigkeit, Mitbestimmung und soziale Integration verstanden.

Der Unterricht im Bereich Sprache / Deutsch trägt wesentlich dazu bei, Selbstvertrauen, Ausdrucksfähigkeit und Freude an Kommunikation aufzubauen.

3. Unterrichtliche Schwerpunkte und Inhalte

Sprechen und Zuhören

Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Gespräch. Schüler*innen lernen, zuzuhören, Fragen zu stellen, Gedanken mitzuteilen und nonverbale Ausdrucksformen zu nutzen. Alltagssituationen wie Begrüßen, Bitten, Danken oder Entschuldigen werden gezielt eingeübt. Rollenspiele, Gespräche im Morgenkreis oder Theaterprojekte fördern das dialogische Miteinander. In höheren Stufen werden alltagsnahe Sprachsituationen wie Bewerbungsgespräche, Telefonate oder Gespräche im Betrieb geübt.

Lesen – mit Texten und Medien umgehen

Lesen ist mehr als das Entziffern von Buchstaben. Es bedeutet, Bedeutung zu erschließen und Informationen zu verstehen. Unsere Schüler*innen begegnen Schrift auf vielfältige Weise: durch Bilderbücher, Symboltexte, Comics, digitale Medien oder Zeitungstexte. Wir fördern Lesefreude und Lesekompetenz durch:

  • gemeinsame Lesezeiten und Leseorte (z. B. Schulbücherei)
  • individuelle Lesekurse und Lerntheken
  • handlungsorientierte Projekte wie „Lesetage“ oder Buchaktionen
  • angepasste Materialien (z. B. Vorlesestifte, Lese-Apps, Symboltexte)

Ziel ist der Aufbau einer Lesekultur, die zum regelmäßigen Lesen und zum Austausch über Texte motiviert.

Schreiben

Schreiben bedeutet, Gedanken sichtbar zu machen. Wir fördern Schreibkompetenz auf allen Entwicklungsstufen – vom Kritzeln über das Schreiben einzelner Wörter bis hin zu strukturierten Texten. Die Schüler*innen lernen, Schreiben als Ausdrucksmöglichkeit und als Werkzeug zur Selbstständigkeit zu erleben: Sie verfassen Einkaufslisten, persönliche Briefe, Einladungen, Steckbriefe, Erlebnisberichte oder digitale Texte. Unterstützt wird dieser Prozess durch differenzierte Materialien (z. B. Anlauttabellen, Buchstabenhäuser, Schreiblernprogramme, digitale Tools) und durch motivierende Anlässe, die im Schulalltag verankert sind.

Sprache und Sprachgebrauch untersuchen

Auch das Nachdenken über Sprache ist Teil des Unterrichts: Schüler*innen entdecken, dass Sprache Regeln folgt – beim Sprechen, Lesen und Schreiben. Im Sinne einer alters- und entwicklungsangemessenen Sprachreflexion werden Strukturen sichtbar gemacht, zum Beispiel durch das Vergleichen von Wortarten, das Entdecken von Reimformen oder durch die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit.

4. Didaktische Prinzipien und Methoden

Der Unterricht folgt einem spiralcurricularen Aufbau, bei dem zentrale Inhalte in allen Stufen wiederkehren und vertieft werden. Typische didaktische Merkmale sind:

  • Handlungsorientierung: Sprache wird erlebt und angewendet – beim Einkaufen, Kochen, Spielen oder in Theaterprojekten.
  • Differenzierung: Materialien und Aufgaben werden individuell angepasst (z. B. Symboltexte, Schriftbilder, Lautgebärden).
  • Multisensorische Zugänge: Lernen erfolgt über Hören, Sehen, Fühlen, Bewegung und digitale Medien.
  • Kooperation: Teamarbeit mit anderen Aufgabenfeldern (z. B. musisch-ästhetische Erziehung, Bewegung, Arbeitslehre).
  • Diagnose und Förderung: Lernstände werden regelmäßig dokumentiert, um individuelle Entwicklungsfortschritte sichtbar zu machen.

Die Unterrichtsarbeit stützt sich auf Lerntheken, Wochenplanarbeit, Lesewerkstätten und Schreibtrainings, die Raum für eigenständiges Lernen bieten.

5. Lernorte und Materialien

Ein zentraler Lernort ist die Schulbücherei, die durch vielfältige Angebote – Lesungen, Buchaktionen, AGs – zum Lesen motiviert. Weitere wichtige Materialien und Medien sind:

  • Lesekurshefte und Schreiblehrgänge nach den Vorgaben der Fachkonferenz
  • digitale Lern-Apps (z. B. Anton, Worksheet-Go, Edurino)
  • adaptive Geräte wie Vorlesestifte oder Tablets mit Sprachausgabe
  • Symbol- und Wortkarten, Anlauttabellen, Bilderbücher, Comics
  • individuelle Materialien auf dem Schulserver

6. Leistung, Rückmeldung und Motivation

Leistungsbewertung im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bedeutet Erkennen und Wertschätzen individueller Lernfortschritte. Rückmeldungen erfolgen dialogisch: durch Gespräche, Portfolioarbeit, Fotos, Lerntagebücher oder Präsentationen. Besonderes Gewicht liegt auf der Selbstwahrnehmung der Schüler*innen: Sie erleben, dass sie sprachlich handeln, verstanden werden und mitgestalten können.

7. Fazit

Sprache verbindet Menschen, eröffnet Horizonte und stärkt Selbstbewusstsein. Der Unterrichtsbereich Sprache / Deutsch trägt entscheidend dazu bei, dass unsere Schüler*innen sich mitteilen, verstanden werden und mit Freude an Sprache teilnehmen können – in der Schule und weit darüber hinaus.

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